Ich habe das in den letzten Tagen öfters unter eine Textnachricht oder eine Email geschrieben. Mein persönlicher Wunsch? Ein besseres und wieder normaleres 2021. Ja, so ein Jahr hat man wirklich noch nicht erlebt. Als Tennistrainer war es eine unglaubliche Achterbahnfahrt. Mitte März traf uns der Lockdown wie ein Blitz. Alles dicht. Volle Hektik, Telefonate mit Kollegen und Freunden, natürlich auch dem Steuerberater. Niemand wusste irgendetwas “Handfestes”. 

Nach einigen Tagen lichtete sich der Nebel. Und so langsam wurde es einem auch bewusst, dass es vielen Menschen und Berufsgruppen noch viel schlechter ging als einem selbst. Denn der Berufszweig Tennis hatte den Silberstreifen am Horizont deutlich näher vor der Nase, als so manch anderer. Man konnte ein paar Tage der Entschleunigung auch so ein bisschen heimlich genießen, als man beim Abrufen der Mails dachte, das W-Lan sei defekt.

Niemand wollte was von dir. Eigentlich auch mal schön, für ein paar Tage. Das änderte sich dann schnell, als so langsam durchsickerte, dass man mit Tennis im Freien dann doch irgendwie loslegen könnte. Hygienekonzepte für den Tennisclub und die Tennisschüler wurden erstellt. Das spielte sich dann nach und nach alles ganz gut ein. Man war glücklich, wieder an die Filzkugel hauen zu dürfen. In unserem Tennisclub verzichtete man komplett auf Verbandspiele und andere soziale Zusammenkünfte, was die Sommersaison allerdings so ziemlich ereignislos verstreichen ließ. 

Anders war es in der Tennisschule. Da konnte man kaum die Nachfragen befriedigen, so groß war der Zulauf. Viele meiner Kollegen sprachen schon vom Tennissport als Corona-Gewinner. Ja man gewöhnte sich sehr schnell an die wiedergewonnene Normalität, auch wenn man diverse Einschränkungen in Kauf nehmen musste. Das menschliche Gehirn kann schlechte Dinge sehr gut verdrängen. Dass dies nicht das Ende dieser Pandemie sein würde, war mir als naturwissenschaftlich vorbelasteter Trainer schon klar. 

Als unsere Kanzlerin dann irgendwann im Oktober von bis zu 30.000 möglichen Neuinfektionen sprach, runzelte ich dann doch ungläubig die Stirn. Doch es war einfache Mathematik, das haben wir jetzt alle erfahren müssen. Dabei strömten im Oktober zur neuen Tennishallen-Wintersaison so viele Leute in unsere Tennishalle, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Es schien fast so, als ob ein neuer Tennisboom aus dieser großen gesellschaftlichen Krise erwachsen wäre. Doch Anfang November wurden wir jäh ausgebremst. Wieder komplettes Chaos, in diesem Bundesland Tennis erlaubt, in dem anderen nicht. 

In Baden-Württemberg war es besonders spannend. Nach dem man schon glaubte, doch weitermachen zu können, besserte die Landesregierung nach und erließ den ziemlich skurrilen Beschluss, dass nur 2 Personen pro Tennishalle und nicht pro Platz zugelassen waren. In unserer 6-Feld Halle mit 5000 qm war das doch ziemlich merkwürdig, zumal man auf einem Tennisplatz soviel Grundfläche hat wie in einem Discounter, allerdings mit etwas mehr Luftraum. Nach anfänglichen Schwierigkeiten einigten wir uns in der Tennisschule auf einen gemeinsamen Nenner: “Besser als gar nichts“, auch mit Blick auf deutlich stärker gebeutelte Branchen. Die Kids waren nach wie vor heiß auf Tennis und die Eltern nahmen so ziemlich jeden Termin, den sie bekommen konnten. Nach der Schule ausruhen, Hausaufgaben, zu spät, schon müde, das spielte plötzlich keine Rolle mehr. 

Nun ist schon wieder „Schicht im Schacht“. Die Kinder sitzen daheim vor der Glotze oder am Handy und meine 5000qm-Tennishalle müssen dann doch gelegentlich geheizt werden. “Alles blöd also”. Na ja, so schnell bin ich nicht unterzukriegen, auch wenn man kein Prophet sein muss, dass der Lockdown am 10.01. nicht endet. Wichtig ist in meinem Mikrokosmos, dass meine Familie und ich gesund sind, auch wenn ein fälschlicherweise positiver Schnelltest für etwas Aufregung sorgte. Nach ein paar Tagen Quarantäne erlösten uns dann negative PCR Tests. Und nun schreibe ich es schon wieder, den Wunsch nach einem „besseren“ 2021. Was solls, irgendwie schaffen wir das schon. Tennis ist so ein geiler Sport, da kommen wir schon wieder irgendwie raus. Euch allen da draußen: Haltet durch !!  

Euer “Mülli”

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