Coaching – dies ist ein weitreichender Begriff. Nicht nur während, auch vor und nach einem Match gibt es einige Punkte, die be­sonders wichtig sind. Zunächst gilt es jedoch, schon in der direkten Vorbereitung auf Euer Spiel einige grundsätzliche Dinge zu beachten. Für mich ist es immer ärgerlich, wenn die Spieler, die ich betreue, mit ihrem Gegner auf den Platz gehen, um nach kurzer Einschlagzeit das Match zu beginnen, dann aber erst merken, dass sie noch einige Details erledigen müssen. Da wird das Griffband neu gewickelt, der Mineraldrink gemixt und zu guter Letzt fällt ihnen ein, dass sie ihr Handtuch in der Kabine vergessen haben.

Dies sind Beispiele für eine absolut unprofessionelle Vorbereitung, die aber im Turnieralltag leider immer wieder vorkommt. Ihr solltet deshalb Eure Vorbereitung so „timen“, dass Ihr direkt vor dem Match mindestens 15 Minuten zur freien Verfügung habt. All die technischen Vorbereitungen (Ausrüstung, Verpflegung. . . ) sollten dann erledigt sein. Was Ihr mit der übrigen freien Zeit anfangt, kann individuell sehr verschieden sein. Der eine zieht sich in eine ruhige Ecke zurück, der andere stimuliert sich mit lauter Musik aus dem Walkman. Im Laufe der Zeit entwickelt jeder sein eigenes Vorbereitungs-Ritual.

In dieser Phase könnte nun auch der Coach ein paar Worte an Euch richten, kurz eine mögliche Strategie ansprechen, oder Euch einfach nur mit ein paar Sätzen beruhigen oder motivieren.

Marian Vaijda, Langzeit-Coach von Novak Djokovic

Auf dem Platz beginnt nun die eigentliche Arbeit des Coaches. Vorausgesetzt natürlich, es handelt sich um einen Mannschafts-Wettbewerb, bei dem Coaching erlaubt ist. Wenn ich nun die Spiele, die ich von der Bank aus betreut habe, Revue passieren lasse, stelle ich im nachhinein fest, dass nur ein gewisser Zeitanteil dem eigentlichen „taktischen“ Coaching, sprich Überlegungen, wie ich gegnerische Schwächen ausnützen oder auch meine eigenen Stärken besser ins Spiel bringen könnte, gewidmet wurde. Ein Großteil der Zeit, die beim Seitenwechsel zur Verfügung steht, wurde vor allem bei jungen Spielern für „psychologisches“ Coaching benötigt.

Zentrales Thema war hierbei immer wieder die Körpersprache. Es ist von großer Bedeutung, wie Ihr Euch auf dem Platz benehmt und wie Ihr nach außen hin wirkt. In der Folge habe ich einige Punkte zusammengestellt, auf die Ihr achten solltet:

Bekannt für ein emotionales “Grundniveau”: Fernando Verdasco
  • Um ein großer Spieler zu werden, müsst Ihr lernen, Eure Missstimmungen zu kontrollieren. Wenn sich das Blatt gegen Euch wendet, regt Euch nicht auf, geratet nicht in Wut oder Panik. Versucht immer, solch eine Situation als Herausforderung anzunehmen, die Krise zu durchbrechen. Das ist der wichtigste Schritt, um ein wirklich kampfstarker Spieler zu werden. Denkt beim Match nicht über Eure Schläge nach – spielt einfach. Je mehr man herumanalysiert, desto schlechter wird man gewöhnlich.
  • Wenn Ihr nervös seid und nicht gut spielt, neigt Ihr dazu, das Tempo zu übersteigern. Bemüht Euch, bewusst langsamer zu werden. Hetzt nicht über den Platz, auch nicht beim Bälle aufsammeln. Atmet vor dem Aufschlag oder dem Return tief durch, lasst Euch viel Zeit zwischen dem ersten und zweiten Aufschlag.
  • Beim Match: kein Gejammer, keine Entschuldigungen, keine negativen Selbstgespräche.
  • Selbst wenn Ihr einen schwachen Tag habt, tut so, als wäret Ihr stark. Indem Ihr kon­trolliert, wie Ihr nach außen hin wirkt, überprüft Ihr gleichzeitig Eure innere Stabilität.
  • Denkt nicht Matchgewinn beziehungsweise -verlust. Denkt ebenso nicht an den letzten Ballwechsel zurück. Wichtig ist nur das „Hier und Jetzt“.
  • Versucht in jeder Phase des Matches zuversichtlich zu sein. Eure Fähigkeiten reichen aus, auch unter hohen Belastungen zu bestehen.

Besonders gravierend werden solche Situationen, wenn Ihr zu der schon angespannten Matchsituation noch zusätzliche Stressfaktoren erleben müsst. Hierbei meine ich vor allem Diskussionen über den Spielstand oder vermeintliche Fehlentscheidungen, die Euch zusätzlich aus dem Tritt bringen können. Diese Situationen werden jedoch oft durch eigenes ungeschicktes und wenig souveränes Verhalten, aber auch durch Regelunkunde heraufbeschworen.

Hier nun einige Tipps, wie sich unnötige Diskussionen vermeiden lassen.

  • Nennt vor jedem Spiel laut den Spielstand. Wenn Ihr Aufschlag habt, sagt vor jedem Punkt, besonders beim Tie-Break, wie es steht.
  • Entscheidet klar bei strittigen Bällen. Sagt laut und deutlich „Aus“ oder „Netz“ bei einem Netzaufschlag. Merkt Euch auf Sandplatz den Ballabdruck, bis der Gegner die Entscheidung akzeptiert hat. Merke: hat der Ballabdruck keinen sichtbaren Zwischenraum zwischen Linie und Ball, so ist der Ball gut zu geben.
  • Wenn Ihr Eurer Entscheidung sicher seid, dann lasst Euch nicht von Eurem Gegner einschüchtern oder gar dazu bringen, sie zu ändern.
  • Seid Ihr im Zweifel, entscheidet immer zu Gunsten Eures Gegners.
  • Wenn Ihr meint, Euer Gegner übervorteile Euch mit seinen Entscheidungen, so regt Euch nicht auf, sondern bittet um einen Schiedsrichter.
  • Spielt immer weiter, solange Euer Gegner auch weiterspielt. Wenn Ihr denkt, Euer Ball geht aus, ist er erst aus, wenn Euer Gegner so entscheidet.

Ist das Match nun zu Ende, sollte es natürlich die Aufgabe eines Coaches sein, mit Euch das Spiel nachzubereiten. Gemeint ist hiermit eine Analyse des Geschehenen, egal ob Sieg oder Niederlage. Hier können viele Komponenten zur Sprache kommen. Taktik, Psyche und Kondition spielen eine wesentliche Rolle. Auch eventuelle technische Schwächen könnten jetzt angesprochen werden. Auf dem Platz, beim Turniermatch, haben technische Korrekturen jedoch nichts verloren. Sie würden Euch nur zu stark beschäftigen oder auch verunsichern.

Aus der Summe der Erfahrungen, die Ihr nun bei einem Spiel gesammelt habt, könnt Ihr bei sinnvoller Analyse zusammen mit Eurem Coach wertvolle Rückschlüsse für weitere Turniere oder auch für das Training ziehen.

Seid Ihr unmittelbar nach Eurem Match nicht ansprechbar, so hat Euer Coach sicherlich Verständnis dafür, wenn die Besprechung erst später oder am darauffolgenden Tag erfolgt. Bis dahin sind mögliche Emotionen aus dem Spiel und das Geschehene ist sowohl im positiven als auch im negativen mehr oder weniger verarbeitet.

Bei einer solchen Matchbesprechung bevorzuge ich es zum Beispiel, meine Schüler zunächst aus ihrer Sicht das Match beschreiben zu lassen. So kann ich sehen, ob der Spieler die wesentlichen Punkte erkannt hat und ob er auch kritisch mit seinem eigenen Spiel umgehen kann.

Abschließend ist zu sagen, dass es für einen Trainer immer angenehm ist, wenn Ihr ihm zuhört und versucht, seine Tipps in die Praxis umzusetzen. Trotzdem dürft Ihr das übergeordnete Ziel nicht aus den Augen verlieren. „Selbständigkeit“ heißt das Zauberwort. Denn nach und nach solltet Ihr lernen, auch ohne Coach ein Spiel mit allen möglichen Emotionsmöglichkeiten und Stresssituationen selber zu bestreiten. Wenn Ihr es dann schafft, auch nach größeren Rückschlägen erfolgreich zu sein, dann hat Euer Coach gute Arbeit geleistet.

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